Auf den Bühnen des Lebens - Casting

Shownotes

Wie können wir uns künftig auf interpersonelle Gespräche oder Auftritte vor Publikum besser vorbereiten? Was haben wir davon, wenn wir uns die Mechanismen der Kommunikation bewusster machen? Was erleben andere Menschen, wenn wir sprechen? Wie entsteht Ausstrahlung? Warum wirken manche Menschen langweilig? Was ist eigentlich Bühnenpräsenz im Business? Gibt es Statusspiele in Meetings und wie können wir die Stimme als Führungsinstrument nutzen?

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00:00:07: Jan Kochmann auf den Bühnen des Lebens, der Podcast rund um das Thema Kommunikation im Alltag.

00:00:14: Viel Spaß man zu hören!

00:00:17: Im ersten Teil heute geht es über das Thema Casting.

00:00:20: was hatte eigentlich Casting in unserem normalen Leben zu tun?

00:00:24: Ja wer kennt das nicht?

00:00:26: ein Bewerbungsgespräch oder auch eine Präsentation vielleicht aber auch einfach nur einen Kundengespräch Ein Salespitch.

00:00:33: Wir erleben Casting viel häufiger als wir denken.

00:00:35: bei Menschen Kasten uns auch.

00:00:38: Wie wir auftreten, wie wir wirken!

00:00:41: Wir starten mit einer kleinen Geschichte aus dem wahren Leben.

00:00:44: Neulich kommt ein Salesmanager eines großen Unternehmens auf mich zu und sagt Mensch also wir haben bei einem Unternehmen Pitch'n wollen Haben eine super Vorbereitung hingelegt Und waren auf den Punkt fit?

00:00:57: Die PowerPoint war noch nicht zu überladen.

00:00:59: und als wir dann da hinkamen Also ich mit meinen Leuten Da war gar nichts wie gedacht.

00:01:04: Das Licht war viel zu dunkel, Technik war wie immer nicht vorbereitet und es waren völlig andere Leute da als diejenigen mit denen wir vorher gesprochen hatten.

00:01:13: Wie soll man denn da reagieren?

00:01:16: Ja dieser Salesmanager hat etwas Typisches erlebt der Job erwartet von uns die höchste Flexibilität und Konzentration auf das Wesentliche den Fokus auf die innere Offenheit Und ganz egal was es für ein Setting ist Wir sollten darauf vorbereitet sein können.

00:01:31: nur wie geht das?

00:01:34: Welche Angerpunkte in unserer Haltung und unserer Rolle helfen uns wirklich weiter?

00:01:39: Was ist es denn, was uns so ärgert und können wir's nicht einfach ausblenden, damit wir selbst bleiben in solchen wirklich schwierigen

00:01:47: Momenten?".

00:01:49: Ich schlag mal den Bogen zu meinem Leben.

00:01:51: Nineteinundsechsundneunzig war ich mitten im Studium in Los Angeles.

00:01:55: Schauspiel!

00:01:56: Und ich kam zum einem allerersten Casting hin über meine Agentur.

00:01:59: die rief mich an und sagt hey du kannst bei Walt Disney vorsprechen.

00:02:03: Da dachte ich wow das ist ja cool, da gehe ich mal die Walt Disney Studios in North Hollywood und hör mir mal an was die von mir wollen.

00:02:11: Hab meinen Text bekommen hab den gelernt und kam dort hin und nichts war so wie ich mich erhofft hatte.

00:02:16: es hat nicht nur geregnet an dem tag Es war auch kein Parkplatz zu finden innerhalb dieses studios Und die Zeit drängte.

00:02:23: und natürlich war Ich nervös weil ja mein erstes großes Casting.

00:02:27: Und dann kam ich in die Halle, als jemand zu mir sagte.

00:02:31: Mr.

00:02:31: Karchman you are next!

00:02:34: Entsprechend brauche ich glaube nicht zu sagen wie ich mich gefühlt habe.

00:02:37: Ich kam also in den großen Saal rein hinter mir gegen die schwere Tür zu und ich hörte meine eigenen Schritte Wie ich auf fünf Menschen, die an einem langen Tisch saßen zugängen und quasi vor diesem Tisch stehen lieb Mich zu ihnen drehte um meine Rolle anfingen zu sprechen.

00:02:54: Ich habe diese Stille in dem Raum genau gespürt und hab in der Sekunde gedacht, Mensch guck doch mal.

00:03:02: Wie die gucken?

00:03:04: Wie die zuhören?

00:03:05: Die freuen sich doch!

00:03:07: Und habe glaube ich dadurch gelächelt.

00:03:09: und das hat wiederum bei denen auch gewirkt und ihr am Zoll gelächelte.

00:03:13: und ich dachte mir, Mensch guck mal du kannst ja richtig da sein in einem Moment wo du eigentlich dachtest dass du weg trittst und genau das erlebe als Unternehmensberater auch.

00:03:26: Jedes Kundengespräch, jede Präsentation jedes Bewerbungsgespräch jedes Feedback-Gespräch mit Führungskräften oder Stakeholders ist im Kern ein Casting.

00:03:38: Menschen prüfen sich gegenseitig.

00:03:40: wirbt diese Person kompetent?

00:03:43: ist sie glaubwürdig vertraue ich ihr?

00:03:47: kaufe ich ihr das ab was Sie sagt?

00:03:50: Diese Zauberwelten nebeneinander zu erleben ist sehr spannend, denn die Mechaniken aus Castingsituationen lassen sich sehr wohl auf die freie Wirtschaft übertragen.

00:04:00: Und hier ist der Cliffhanger – ein Casting ist keine Talentshow!

00:04:05: Es ist auch kein Ort an dem Perfektion gesucht wird.

00:04:09: In Wahrheit ist ein CastING eine hoch verdichtete Kommunikationssituation.

00:04:16: In sehr kurzer Zeit muss eine Beziehung entstehen.

00:04:19: Beide Seiten, also beide Kommunikatoren müssen sich wohlfühlen.

00:04:25: Casting-Entscheidungen fallen auf den neuersten Sekunden nicht weil Jury's oberflächlich sind sondern weil unser Gehirn extrem schnell bewertet.

00:04:35: Karpersprache Stimme Haltung Energie Klarheit All das läuft unbewusst ab.

00:04:43: und genau dass passiert auch im Business.

00:04:46: Kunden entscheiden innerhalb kürzester Zeit, ob sie jemanden zuhören.

00:04:51: Mitarbeiter entscheiden, ob Sie einer Führungskraft folgen.

00:04:54: Gesprächspartner entscheiden, dass sie offen bleiben oder innerlich zumachen.

00:05:00: Langweilig wirkt oft nicht der Sprecher sondern jemand, der nur sendet und nicht reagiert.

00:05:05: Gespräche leben nämlich von Resonanz und nicht von Monologen.

00:05:08: Wenn alles vorhersehbar ist dann schaltet unser Gehirn einfach auf Autopilot Und das ist natürlich auch langweilig.

00:05:17: Jeder von uns hat das vielleicht schon mal erlebt, berattern irgendeinen Text herunter den wir uns zurechtgelegt haben, merken dass aber viel zu spät und sind gleichermaßen enttäuscht von anderen wenn sie es dann tun zum Beispiel wenn man wieder die Telefongesellschaft oder den Energieanbieter kontaktieren muss Und der Mensch an der anderen Leitung nimmt uns nicht wirklich wahr, sondern sendet die immergleichen abgedroschen klingenden Sätze.

00:05:48: Den gleichen Irrtum gibt's im Casting und im Business.

00:05:51: Es ist nämlich der Glaube Ich muss mich nur richtig anstrengen Dann werde ich überzeug'n.

00:05:57: In Wahrheit geht es weniger um Anstrengung Es geht mir um Wirkung.

00:06:02: Ein gutes Beispiel dafür Ist dem Film von Stanley Kubrick Eyes wide shut mit Tom Cruise und Nicole Kidman zu sehen.

00:06:11: Tom Cruise musste sich in Geduld üben, so musste er nämlich eine einfache Szene, in der er durch eine Tür geht.

00:06:18: Insgesamt fünfundneunzig Mal wiederholen!

00:06:21: Warum?

00:06:23: Weil der Regisseur Kubrick einfach nicht mit dem Ausdruck der Szene zufrieden war.

00:06:29: Dieses Glück haben wir natürlich in der Freien Wirtschaft nicht.

00:06:33: Wir können uns nicht nochmal in Ruhe zugucken was wir hätten besser machen können.

00:06:37: Wir müssen einfach auf den Punkt hin fit sein und das kann man lernen.

00:06:43: Wie können wir also frisch bleiben?

00:06:45: Für alle unvorhergesehenen Situationen, wie machen das denn nun Schauspieler?

00:06:50: einerseits den Text zu können und andererseits die Anweisungen eines Casting Directors aufzugreifen und spontan Änderungen einzubauen ohne dabei dem vorgegebenen Text auch nur annähernd zu verändern?

00:07:04: Die Antwort ist Rollenverständnis und Haltung lassen sich trainieren!

00:07:11: auch in der eigenen persönlichen beruflichen Weiterentwicklung.

00:07:16: Wenn wir uns kennen, ein Unternehmen und seine Produkte oder Dienstleistungen kennen können wir Rollen noch wechseln.

00:07:23: Wir sind wandelbar!

00:07:24: Nur ist es uns meistens gar nicht so bewusst.

00:07:27: Es hilft einen tiefer Blick in die häufigsten Fehler-in-Casting-Situationen Und warum sie im Unternehmen genauso auftreten.

00:07:35: Der erste große Fehler Menschen spielen eine Rolle von der Sie glauben dass sie erwartet wird.

00:07:42: Schauspieler versuchen jemand anders zu sein.

00:07:45: Mitarbeitende versuchen besonders professionell, besonders korrekt oder besonders schlau zu wirken.

00:07:51: Das Ergebnis ist oft das Gegenteil von dem was sie erreichen wollen.

00:07:55: Die Körpersprache wird angespannt die Stimme verändert sich Die Authentizität geht ganz verloren.

00:08:04: Der zweite Fehler Zu viel Inhalt zu wenig Haltung.

00:08:08: In Castings höre ich häufig perfekte, nahte Texte.

00:08:12: Aber ich spüre nichts wenn ich mal zuschaue.

00:08:15: Im Unternehmen sehe auch PowerPoint-Folien voller Fakten aber keine klare Botschaft.

00:08:20: Der dritte Fehler Angst vor Bewertung.

00:08:24: Wer permanent darüber nachdenkt wie erwirkt kann gar nicht präsent sein.

00:08:29: Präsenz entsteht nur denn ich im Moment bin Nicht dem Kopf der anderen.

00:08:36: Was können Unternehmen von professionellen Castings nun konkret lernen?

00:08:40: Schauen wir doch mal kurz und bündig auf fünf zentrale Prinzipien.

00:08:44: Erstens Präsenz schlägt Perfektion.

00:08:49: Im Castings gewinnen selten die Technischbesten.

00:08:52: Es gewinnen die, die da sind Die den Raum einnehmen ohne laut zu sein Die klar sind in dem was sie sagen Und auch in dem, was sie nicht sagen.

00:09:02: Übertragen aufs Unternehmen heißt es Lieber klar, menschlich und präsent.

00:09:07: Als perfekt vorbereitet und innerlich abwesend!

00:09:12: Zweitens – Haltung vor Inhalt.

00:09:16: In Casting interessiert nicht nur was du sagst sondern wofür du stehst.

00:09:20: Haltung zeigt sich in kleinen Dingen Wie gehst Du in den Raum?

00:09:25: Wer reagierst Du auf Unterbrechungen?

00:09:28: Wie gehest Du mit Unsicherheit um?

00:09:31: Führungskräfte die Haltung zeigen brauchen oft weniger Worte.

00:09:35: Mitarbeiter folgen Menschen, nicht Folien.

00:09:39: Drittens Beziehung schlägt Argument.

00:09:44: In Castings entsteht manchmal in Sekunden ein Gefühl von Verbindung und manchmal eben nicht?

00:09:50: Das hat wenig mit Argumenten zu tun und viel mit Resonanz.

00:09:55: Im Kundenkontakt gilt das Gleiche.

00:09:57: Menschen kaufen nicht das beste Produkt sondern das beste Gefühl.

00:10:03: Viertens Klarheit ist attraktiver als Anpassung.

00:10:08: Im Casting ist eines nicht zu gebrauchen, Unentschlossenheit.

00:10:12: Wer nicht weiß was er will kann auch niemanden überzeugen!

00:10:17: Insofern ist eine bestimmte Intention immer sexy, wirkt interessant und Menschen hören uns viel mehr zu wenn wir eine bestimmten Intention besitzen.

00:10:28: Fünftens – Fehler sind Teil der Wirkung.

00:10:32: Ein Versprecher ein Lacher ein kurzer Blackout all das kann Verbindung schaffen wenn man damit souveränum geht.

00:10:39: Perfektion schafft Distanz, Menschlichkeit schafft Nähe.

00:10:44: Ich habe konkrete Übungen aus den Schauspieltraining für Unternehmen mitgebracht.

00:10:48: Die erste Übung heißt der erste Moment.

00:10:52: Trainiere bewusst die ersten zehn Sekunden eines Gesprächs.

00:10:56: Wie stehst du?

00:10:57: Wie atmst Du?

00:10:58: Wie schaust Du dann gegenüber an?

00:11:01: Die zweite Übung nennt sich Reduktion Sag weniger Lass Pausen zu Beoberte doch mal, was passiert.

00:11:11: Schau die Menschen an!

00:11:13: Die dritte Übung Statusarbeit.

00:11:17: Im Schauspiel sprechen wir viel über Status Nicht im hierarchischen Sinn sondern im inneren Sinn.

00:11:24: Wer innerlich stabil lässt Der wirkt auch automatisch souveräner.

00:11:29: Die vierte Übung ist der Perspektivwechsel Versetz dich vor Gesprächen kurz in dein Gegenüber.

00:11:40: Was braucht diese Person gerade wirklich, die ich da anschaue?

00:11:45: Sobald Kommunikation also als Auftritt verstanden wird verändert sich etwas Entscheidendes.

00:11:52: Nämlich die Verantwortung – nicht im Sinne von Druck sondern im Sinne der Bewusstsein!

00:11:59: Menschen werden klarer, achtsamer und verbindlicher.

00:12:03: Meetings werden dadurch kürzer und Gespräche ehrlicher.

00:12:07: Entscheidungen dadurch auch viel nachvollziehbarer.

00:12:11: Und genau hier liegt die Chance für Unternehmen.

00:12:13: Nicht noch mehr Tools, sondern unser Persönlichkeit bringt nachweislich mehr Erfolg im Kundengespräch auf Messen und Medien – aber auch in unserem privaten Alltag!

00:12:42: auf der Bühne vor der Kamera und in Unternehmen.

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